Artenreiches Grünland ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Da artenreiches Grünland aufgrund seiner hohen Biodiversität als besonders wertvoll betrachtet werden kann, soll dieses Forum die Förderung artenreichen Grünlands ermöglichen. Erhalten Sie Einblick in Renaturierungsprojekte, stellen Sie Fragen und diskutieren Sie. Das Forum wird im Rahmen des Forschungsprojekts durch die TU München begleitet. Tauschen Sie sich mit Praktikern, Forschern und anderen Interessierten aus.
Sehr geehrte Damen und Herren,
nach Rücksprache mit der Gemeine Gauting, dürfte ich eine ca 40 qm große Verkehrsinsel mit 2 Bäumen und derzeit Grasbewuchs/Halbschatten als Grünpatin zu einer Blumenwiese umwandeln. Ein Naturgärtner schlug vor, mit einem Grasnarbenschäler die Grasnarbe 2-3 cm abzuschälen (Wurzelschonung der Bäume). Anschließend würde eine ca 3 cm Schicht Sand/Humus (Kompost) 3:1 aufgebracht. Er schlägt als Ansaat das niedrige Dachbegrünungs Saatgut von Rieger/Hofmann (Nummer18) Blumen/Gräser 50:50 % oder Blumen 100% vor. Die Mahd würde ca 3 x/Jahr erfolgen, mit dem ersten Schröpfschnitt im Mai, die Ansaat wäre noch dieses Jahr im November.
Unsere Naturschutzbeauftragte der Gemeinde, Frau Thiel, empfahl eine Rücksprache mit Ihnen, um dieses Vorgehen und die Saatgutmischung zu diskutieren.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Anette Stautner (Blühbotschafterin/ ZUK Benediktbeuern
wie schön, dass Sie sich um die Aufwertung dieser Verkehrsinsel kümmern möchten!
Aus Sicht der ökologischen Renaturierung wäre zertifiziertes Regiosaatgut zu bevorzugen, sodass regional angepasste Varianten der Pflanzenarten eingebracht werden. Im Siedlungsbereich ist dies allerdings nicht vorgeschrieben.
Die vorgeschlagene Dachbegrünungsmischung ist – wie der Name schon sagt – auf trockene, sonnige, nährstoffarme (Extrem-)Standorte ausgelegt, und wäre daher nicht meine erste Wahl. Als Alternative, die zudem regiozertifiziert ist, würde ich die Blumenwiese 50:50 oder 100 von Rieger-Hoffmann empfehlen. Diese ist auf ein breites Spektrum von Standortverhältnissen im mittleren bis nährstoffarmen Bereich ausgelegt. Auch die Mischungen Verkehrsinsel (kein Regiosaatgut) oder die Böschung/Straßenbegleitgrün (Regio) könnten gut funktionieren, vor allem falls Ihre Fläche durch Verkehr, Schadstoffeinträge, starke Trockenheit, häufiges Betreten oder ähnliches stärker belastet ist.
Nun kenne ich natürlich Ihre Verkehrsinsel nicht… Falls dort eher "mittlere" Standortbedingugnen vorherrschen (nicht sehr trocken aber auch nicht feucht, etwas nährstoffreich, teils beschattet) würde ich die Blumenwiesenmischung empfehlen. Wenn es sich um einen extremeren, trockenen und nährstoffarmen Standort handelt, würde ich eventuell auf die Böschungs-, Verkehrsinsel- oder sogar die Dachbegrünungsmischung ausweichen. Am Ende ist die Verfügbarkeit natürlich auch ein Argument.
Die Bodenvorbereitung erscheint mir sinnvoll. Zentral für den langfristigen Erfolg ist dann das Management. Drei Schnitte pro Jahr sind für artenreiche Wiesen in aller Regel etwas viel, da nicht alle Pflanzen zur Blüte und Samenreife kommen und das Blütenangebot für Bestäuber entsprechend gering ist. Je nach Aufwuchs und Witterung sind (1-) 2 (-3) Schnitte ideal, z.B. Mitte Juni und Ende August. In jedem Fall sollte das Mahdgut abgeräumt werden und nicht gemulcht auf der Fläche verbleiben.
liebe frau wiesmeier,
vielen dank für ihre ausführliche antwort und ihre mühe! ich werde weiterhin berichten welche ansaat wir , nach ihren empfehlungen , genommen haben und wie es weiter verläuft.
herzliche grüsse von anette stautner